Moorbodenschutz

Moore sind einzigartige Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten und außerdem wichtige Langzeitspeicher für Kohlenstoff. Werden Moorböden zum Beispiel für eine land- oder forstwirtschaftliche Nutzung entwässert, setzen sie ihren gebundenen Kohlenstoff in Form erheblicher Mengen an Treibhausgasen frei. Mehr als ein Drittel der Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft Deutschlands stammen aus entwässerten Mooren in landwirtschaftlicher Nutzung, obwohl diese nur etwa sieben Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ausmachen. Um solche Emissionen deutlich zu reduzieren, müssen die Wasserstände entwässerter Moore wieder angehoben (Wiedervernässung) und die Nutzung angepasst werden. Naturnahe Moore stellen auch in der intensiv genutzten Kulturlandschaft wichtige Lebensräume für bedrohte Arten dar und sind für den Erhalt des Biodiversitätsschutzes in Deutschland unverzichtbar.

Um die Klimaschutzziele Deutschlands entsprechend des Bundes-Klimaschutzgesetzes zu erreichen und Lebensräume für seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten wiederherzustellen, ist eine Wiedervernässung landwirtschaftlich genutzter Moorböden erforderlich.

Eine wesentliche Herausforderung ist allerdings der Ausgleich zwischen Biodiversitäts- und Klimaschutz einerseits sowie andererseits den ökonomischen Interessen der Land- und Forstwirtschaft auf betroffenen Flächen. Hierbei spielen insbesondere der Anbau neuer Kulturen (Paludikulturen) und deren Verwertungsmöglichkeiten bei gleichzeitig moorerhaltender Bewirtschaftungsweise (nasse Bewirtschaftung) eine wesentliche Rolle.

Das Bundesumweltministerium hat im September 2021 erstmals eine Nationale Moorschutzstrategie veröffentlicht. Darüber hinaus ist der Moorschutz bereits fest im Klimaschutzprogramm 2030 im Rahmen des Klimaschutzplans 2050 verankert. Zur Erprobung und Weiterentwicklung nasser Bewirtschaftungsweisen fördert das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) daher mehrere Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz.

Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz

Mit den Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz fördert das BMUV Projekte zum Schutz landwirtschaftlich genutzter Moorböden in Höhe von insgesamt 48 Millionen Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren (2021-2031). Zuständige Projektträgerin ist die Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH. 

Die Pilotvorhaben erproben, wie trockengelegte und intensiv genutzte Moorböden in eine nasse Bewirtschaftung überführt werden können. Im Mittelpunkt stehen dabei Wiedervernässungsmaßnahmen und deren Auswirkungen, die Etablierung standörtlich angepasster Paludikulturen und Fragen im Zusammenhang mit deren Bewirtschaftung. Dabei werden Aspekte einer sozial und wirtschaftlich ausgewogenen Umsetzung ebenso berücksichtigt wie die Auswirkungen auf die Biodiversität. Die Erkenntnisse sollen als Grundlage für eine breite Umsetzung von Wiedervernässungsmaßnahmen und für fachpolitische Schlussfolgerungen zum zukünftigen Beitrag wiedervernässter bewirtschafteter Moorböden für den Klima-, Umwelt- und Naturschutz dienen.

Gefördert werden insgesamt vier Verbundvorhaben in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Bayern. Zu den Zuwendungsempfangenden gehören Landesbehörden, Kommunen, landeseigene Unternehmen, Stiftungen sowie universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Folgende Maßnahmenpakete sind Gegenstand der Förderung:

 

  • Flächenbereitstellung für Wiedervernässungsmaßnahmen 
  • Planerische und bauliche Maßnahmen zur Wiedervernässung 
  • Umsetzung und Monitoring der Wiedervernässungsmaßnahmen
  • Umsetzung von Bewirtschaftungsmaßnahmen und Flächenmanagement (Pilotmaßnahmen zur Erprobung von Paludikulturen bei „nasser“ Landbewirtschaftung)
  • Forschung und Entwicklung zu angepassten Verfahren und Technologien 
  • Umsetzung wissenschaftlicher Begleitforschung, insbesondere hydrologisches und Treibhausgas-Monitoring
  • Qualifizierung durch Kapazitätsaufbau bei Zielgruppen mittels Bildung, Information und Vernetzung der Akteure

Geförderte Pilotvorhaben

Pilotvorhaben in Mecklenburg-Vorpommern

Die Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern und die Universität Greifswald erproben die nasse Bewirtschaftung zweier bisher entwässerter Moorflächen mit Paludikulturen.

Pilotvorhaben in Schleswig-Holstein

Das Verbundvorhaben KlimaFarm setzt die nasse Bewirtschaftung von Grünlandflächen auf Moorböden in der Praxis um. Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein richtet zu diesem Zweck die KlimaFarm als landwirtschaftlichen Modellbetrieb ein.

Pilotvorhaben in Bayern

Im Rahmen des Verbundvorhabens "MoorLandwirtschaft für Klimaschutz Allgäu (MoLaKlim)" soll der Wasserstand auf trockengelegten Moor- und Anmoorböden angehoben werden, um klimaverträgliche Formen der nassen Bewirtschaftung praxisnah zu etablieren.

Pilotvorhaben in Brandenburg

Das Landesamt für Umwelt Brandenburg (LfU) und das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. schaffen Demonstrationsflächen zur nassen Bewirtschaftung von Mooren und wollen Möglichkeiten zur Verwertung der Biomasse weiterentwickeln.