Waldbrand im Wildnisgebiet Jüterbog: Wildnisschutz unter erschwerten Bedingungen
Copyright: Die Wildnisstiftung
Nach dem Feuer im Wildnisgebiet Jüterbog: Wie schützt man Wildnis auf ehemaligen Militärflächen und welche Folgen haben die Brände?
Im Wildnisgebiet Jüterbog kam es Anfang Mai 2026 zu einem Brand, der mehr als 150 Hektar Waldfläche vernichtete. Die angelegten Waldbrandschutzstreifen und weitere Schutzmaßnahmen der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg (Die Wildnisstiftung) haben wesentlich dazu beigetragen, dass das Feuer innerhalb der Brandschutzschneisen gehalten werden konnte und nicht noch mehr Fläche betroffen war. Das Wildnisgebiet Jüterbog umfasst insgesamt 7.146 Hektar und ist im Besitz der Wildnisstiftung. Zwei kleine Teilflächen von ca. 0,6 und 3 Hektar Größe wurden 2022 bzw. 2025 durch die Stiftung mit Mitteln des Wildnisfonds des Bundesumweltministeriums erworben.
Die Waldbrandvorsorge spielt auf den Flächen des ehemaligen Truppenübungsplatzes Jüterbog eine zentrale Rolle. Das Gebiet wurde von 1864 bis 1992 militärisch genutzt. Daher erfordern Altlasten, wie Munition, Chemikalien und andere Kampfmittel besondere Vorsicht. Bei Brandereignissen können die Feuerwehrkräfte die betroffenen Flächen wegen Explosionsgefahr nicht direkt betreten. Deshalb braucht es ein Brandschutzsystem aus Löschbrunnen, Waldbrandschutzschneisen und Brandschutzwege, die sicher und kampfmittelberäumt sind. Die Schutzmaßnahmen werden von der Wildnisstiftung stetig weiter verbessert und instandgehalten.
Folgen für die Wildnis
Vom Menschen verursachte Waldbrände auf munitionsbelasteten Flächen können verheerend sein für die Natur. Auf den Brandenburger Wildnisflächen erweisen sie sich zudem als besonders folgenschwer für den Boden, weil die Humusschicht verbrennt – reiner Sand kommt zum Vorschein. Kurzfristig durch Asche zur Verfügung stehende Nährstoffe werden aus den kargen Böden Brandenburgs schnell ausgewaschen.
Der sehr früh in diesem Jahr ausgebrochene Waldbrand trifft besonders Tiere, die nicht schnell fliehen können, aber auch empfindliche und seltene Bodenbrüter, wie zum Beispiel den Ziegenmelker, eine Nachtschwalbenart, die auf den Stiftungsflächen in Jüterbog ein bedeutendes Vorkommen hat. Seine Nester fallen den Flammen zum Opfer.
Regeneration der Gebiete
Die Wiederbesiedlung der verbrannten Flächen erfolgt durch den Prozess der natürlichen Sukzession, die in den Wildnisgebieten ermöglicht wird: Pilze bauen nach dem Feuer giftige Substanzen ab, zersetzen Totholz und beleben die Nährstoffkreisläufe wieder. An Brandflächen angepasste Moose und krautige Pflanzen folgen, später auch Pionierbäume wie Birke oder Pappel, erste Vorwälder entstehen. Im Verbundvorhaben PYROPHOB wurden Waldbrandfolgen in Südbrandenburg untersucht und Handlungsempfehlungen für die Regeneration waldbrandgeschädigter Flächen entwickelt. Einer der acht Verbundpartner in diesem Projekt war auch die Wildnisstiftung.
Exkursion des Teams „Wildnisentwicklung“ der Projektträgerin ZUG
Wenige Tage nach Ende des Waldbrands besuchte das Team für Wildnisentwicklung der Projektträgerin Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) das Wildnisgebiet. Dr. Antje Wurz, Vorstand der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, und Dr. Antje Bischoff, KlimaWildnisBotschafterin der Stiftung, führten das Team durch die Wildnis jenseits der Brandflächen. Auf dem Rundwanderweg Wurzelberg bei Luckenwalde zeigten sie dem Wildnisteam die besonderen Lebensräume der Wildnis Jüterbog: Sanddüne, Heide und Pionierwald. Besonders beeindruckt waren die Teilnehmenden von der Artenvielfalt des Wildnisgebiets und der akustischen Begleitung durch Heidelerche und Goldammer – aber auch vom großen Engagement der Vertreterinnen der Wildnisstiftung vor Ort.