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30.10.2026

Knapp eine Tonne Rohrglanzgras-Saatgut auf wiedervernässten Moorflächen

Ein Mähdrescher mit Raupenfahrwerk erntet Rohrglanzgras-Saatgut im Polder Bargischow-Süd (Mecklenburg-Vorpommern).

Im Polder Bargischow-Süd zeigt das Vorhaben „Paludi-MV“, welches Potenzial Rohrglanzgras für die Bewirtschaftung von Moorflächen und den Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten bietet.

Im Rahmen des vom Bundesumweltministerium geförderten Pilotvorhabens „Paludi-MV“ wurde im Polder Bargischow-Süd erstmals die gesamte Prozesskette zur Gewinnung und Wiederaussaat von Rohrglanzgrassaatgut im größeren Maßstab erprobt. Ziel war es, Erfahrungen mit regionalen Saatgutkreisläufen auf wiedervernässten Moorstandorten zu sammeln.

Rohrglanzgras kann eine wichtige Rolle beim Übergang von der Nutzung entwässerter Moorstandorte zu einer Paludikultur auf dauerhaft nassen Flächen spielen. Das gewonnene Saatgut dient der Nachsaat im Polder und kann künftig auch auf weiteren Paludi-Übergangsflächen eingesetzt werden. Aufgrund seiner Nutzungsmöglichkeiten als Futterpflanze und für die stoffliche Verwertung bietet Rohrglanzgras zudem Potenzial für regionale Wertschöpfungsketten.

Aufbereitung und Nachsaat auf angrenzender Fläche

Anfang Juli wurde auf einer rund 15 Hektar großen Fläche Rohrglanzgrassaatgut geerntet. Um den optimalen Erntezeitpunkt zu bestimmen, wurde der Feuchtigkeitsgehalt der Rispen über zwei Wochen regelmäßig kontrolliert. Das war wichtig, da die reifen Samen innerhalb weniger Tage aus den Rispen ausfallen können. Insgesamt wurde knapp eine Tonne Saatgut gewonnen. Nach der Ernte wurde es getrocknet und gereinigt, um die Qualität und Keimfähigkeit zu erhalten.

Anschließend kam das aufbereitete Saatgut direkt im Polder zum Einsatz: Auf einer angrenzenden, etwa fünf Hektar großen Fläche wurde weiteres Rohrglanzgras ausgesät, um Lücken im Rohrglanzgrasbestand zu schließen und seine Etablierung zu fördern.

Bewirtschaftung auf vernässten Moorflächen

Luftaufnahme eines grünen Traktors mit roter Sämaschine auf einer weitläufigen Grünlandfläche. Im Hintergrund sind Baumreihen unter einem wolkigen Himmel zu sehen.
Das zuvor geerntete und aufbereitete Rohrglanzgras-Saatgut wird auf einer angrenzenden Fläche im Polder Bargischow-Süd wieder ausgesät. Die Nachsaat soll Lücken im bestehenden Rohrglanzgrasbestand schließen und dessen Etablierung fördern.

Die Ernte stellte auch besondere Anforderungen an die eingesetzte Landtechnik. Der rund 30 Tonnen schwere Mähdrescher sank beim ersten Anfahrversuch zunächst ein. Nach einer Anpassung der Vorgehensweise konnte die Ernte jedoch erfolgreich abgeschlossen werden.

Die Erfahrungen zeigen, dass die vernässten Moorflächen in trockenen Sommern zunächst auch mit schwerer Technik bewirtschaftet werden können, ohne den Wasserstand aktiv abzusenken. Ob dies langfristig eine Perspektive darstellt, wird im Pilotvorhaben weiter erprobt. Denn der Grundwasserstand wird über mehrere Jahre schrittweise angehoben und hat seinen Zielwasserstand noch nicht erreicht.

Neben einem oberflächennahen Grundwasserstand ist auch der Erhalt einer tragfähigen Grasnarbe wichtig. Sie soll sicherstellen, dass die Flächen auch zukünftig mit leichter Technik bewirtschaftet werden können.

Nach der Bewirtschaftung werden die Wasserstände wieder angehoben, um die Flächen erneut zu vernässen.

Wie die Saatguternte, Aufbereitung und Wiederaussaat im Detail abliefen und welche Erfahrungen dabei gesammelt wurden, erfahren Sie auf der Projektseite von Paludi-MV. 

 

Über die Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz

Das Pilotvorhaben Paludi-MV wird vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert. Es ist eines von vier bundesweiten Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz. Ziel ist es, praxistaugliche Modelle für eine tragfähige, nasse Bewirtschaftung von Moorböden zu entwickeln, regional anzupassen und auf andere Standorte in Deutschland übertragbar zu machen. Die Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH betreut die Pilotvorhaben als Projektträgerin.

Kontakt

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