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22.10.2026

Paludi-Biomasse für Versandkartons: Vom Moor in die Wertschöpfung

Bei der Veranstaltung „Pioniere treffen Landwirte“ im Polder bei Bargischow ging es um einen Austausch zur Paludikultur und deren regionaler Wertschöpfung.

Wie können wiedervernässte Moorflächen landwirtschaftlich genutzt werden und gleichzeitig neue wirtschaftliche Perspektiven entstehen? Ein Beispiel dafür ist die Nutzung von Paludi-Biomasse für Verpackungen.

Eine Möglichkeit wiedervernässte Moorflächen landwirtschaftlich zu nutzen, ist die Paludikultur: Pflanzen wie Seggen, Schilf oder Rohrkolben werden unter nassen Bedingungen angebaut, geerntet und als nachwachsende Rohstoffe genutzt. Welche Potenziale diese Form der Bewirtschaftung für die Region bietet, war Thema der Veranstaltung „Pioniere treffen Landwirte“ Anfang Oktober 2026 im Polder Bargischow bei Anklam. Die Fläche gehört zum Pilotvorhaben „Paludi-MV“, welches durch das Bundesumweltministerium gefördert wird.  Eingeladen hatten die Bauernverbände Nord- und Ostvorpommern, das Greifswald Moor Centrum und die MoorAgentur MV, welche Teil des Pilotvorhabens ist.

Unternehmen treffen Landwirtschaft

Bei dem Treffen in Bargischow kamen mit WEPA und der OTTO Group zwei Unternehmen aus der „Allianz der Pioniere“ mit regionalen Landwirtschaftsbetrieben und Moorexpert*innen zusammen. Die Beteiligten diskutierten darüber, wie regionale Wertschöpfungsketten auf wiedervernässten Mooren erfolgreich gestaltet werden können. Im Mittelpunkt standen die Verfügbarkeit von Paludi-Biomasse, die Anforderungen an Rohstoffe und deren Verarbeitung.

Aus Moorpflanzen werden Kartons

Ein Beispiel für eine bereits erprobte Nutzung sind Versandkartons aus Paludi-Biomasse. Für den OTTO Paludi-Versandkarton werden Seggen von wiedervernässten Moorflächen mechanisch verarbeitet, zu Pellets aufbereitet und anschließend bei der Papierherstellung eingesetzt. Der Karton enthält mindestens zehn Prozent Paludi-Biomasse. OTTO will den Anteil solcher Kartons weiter ausbauen: Bis Ende 2026 sollen 50 Prozent der Versandkartons Paludi-Biomasse enthalten. Bis Ende 2027 soll diese in allen OTTO-Versandkartons zum Einsatz kommen – mit einem möglichst hohen Anteil von mindestens zehn Prozent.

Nutzung noch ganz am Anfang

Die industrielle Nutzung von Biomasse aus Paludikultur stehe allerdings noch ganz am Anfang, erklärte Anke Nordt vom Pilotvorhaben Paludi-MV. Eine Herausforderung seien die noch fehlenden Kontakte und Verbindungen zwischen Landwirtschaft und abnehmenden Unternehmen. Auch die Anforderungen an die Qualität der Pflanzenfasern, die für die Papierindustrie infrage kommen, würden in Bargischow bislang noch nicht erreicht. Hinzu kämen fehlende Lager-, Logistik- und Vermarktungsstrukturen. Derzeit sei jeder landwirtschaftliche Betrieb selbst für die Vermarktung seiner Ernte verantwortlich. Denkbar seien etwa Erzeugergemeinschaften, die ihre Mahd gemeinsam vermarkten, oder Agrarhändler, die in die Wertschöpfungskette einsteigen.

Wertschöpfung als Baustein des Moorbodenschutzes

Die Entwicklung von Absatzmärkten ist ein wichtiger Baustein für die nasse Bewirtschaftung. Denn mit der Wiedervernässung verändern sich die Produktionsbedingungen auf landwirtschaftlich genutzten Moorböden. Der Blick auf Versandkartons zeigt dabei, wohin die Entwicklung gehen kann: Aus Pflanzen, die auf nassen Moorflächen wachsen, können Rohstoffe für Produkte des täglichen Lebens werden. Damit können neue Märkte entstehen, die dazu beitragen, Paludikultur wirtschaftlich attraktiver zu machen – und so langfristig den Moorbodenschutz unterstützen.

Über die Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz 

Die MoorAgentur MV ist Teil des Pilotprojektes Paludi-MV, welches vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) bis 2031 mit rund 16 Millionen Euro gefördert wird. Es ist eines von insgesamt vier bundesweiten Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz. Ziel der Pilotvorhaben ist es, Modelle für eine tragfähige, nasse Bewirtschaftung von Moorböden zu entwickeln – praxisnah, regional angepasst und übertragbar auf andere Standorte in Deutschland. Die Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH betreut die Pilotvorhaben als Projektträgerin.

Kontakt

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