Hitze und Dürre: Wie intakte Moore Wasser in der Landschaft halten
Copyright: BMUKN/Sascha Hilgers
Trockenheit und sinkende Wasserstände setzen Landwirtschaft und Ökosysteme unter Druck. Wiedervernässte Moore können Wasser länger speichern. Wie sich Wasserrückhalt und landwirtschaftliche Nutzung verbinden, testen die Pilotvorhaben Moorbodenschutz.
Wo über längere Zeit Niederschlag fehlt und hohe Temperaturen die Verdunstung verstärken, geraten die Wasserreserven der Landschaft unter Druck. Grundwasserstände sinken, Bäche und Flüsse führen weniger Wasser und auch Böden trocknen zunehmend aus. Die Folgen sind in der Land- und Forstwirtschaft ebenso spürbar wie in natürlichen Ökosystemen. Hierzu gehören etwa Ertragseinbußen sowie Wald- und Moorbrände. Solche Trockenperioden können künftig häufiger und länger auftreten. Umso wichtiger wird die Frage, wie Landschaften mit Wasserknappheit umgehen können – und wie sich Wasser auch in niederschlagsreichen Zeiten möglichst lange zurückhalten lässt.
Moore als natürliche Wasserspeicher
Intakte Moore können große Mengen Wasser speichern und langsam wieder an die Umgebung abgeben. Wie stark sie Wasser zurückhalten und wieder abgeben, hängt unter anderem von Moortyp, Topografie und Wasserstand ab. Durch die Wiedervernässung entwässerter Moorböden werden Wasserstände angehoben und künstlich beschleunigte Abflüsse gebremst. So kann Niederschlagswasser insbesondere in niederschlagsreichen Zeiten länger in der Fläche verbleiben und der Wasserstand in Trockenphasen langsamer absinken. Das stärkt die hydrologische Pufferfunktion der Landschaft und kann dazu beitragen, das Wasserdargebot in Trockenzeiten länger zu erhalten.
Der Wasserrückhalt ist damit ein wichtiger zusätzlicher Nutzen des Moorbodenschutzes – neben dem Klimaschutz und dem Erhalt wertvoller Lebensräume. Als langfristige Maßnahme kann die Wiedervernässung, Landschaften widerstandsfähiger gegenüber zunehmenden Wetterextremen machen.
Wasserrückhalt und Landwirtschaft zusammendenken
Wie relevant solche Fragen für die Landwirtschaft sind, zeigt die langanhaltende Trockenheit. Ausbleibender Regen und hohe Temperaturen können Futter- und Ernteerträge erheblich beeinträchtigen. Besonders auf Moorstandorten stellt sich dabei eine doppelte Herausforderung: Einerseits müssen die Flächen ausreichend nass gehalten werden, um den Moorboden zu schützen und Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Andererseits braucht es Bewirtschaftungsformen, die auch unter diesen nassen Bedingungen eine landwirtschaftliche Nutzung ermöglichen.
Pilotvorhaben erproben die nasse Bewirtschaftung in der Praxis
Wie Wiedervernässung und eine angepasste landwirtschaftliche Nutzung konkret funktionieren können, untersuchen die vom Bundesumweltministerium geförderten Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz. In vier groß angelegten Vorhaben werden unterschiedliche Ansätze unter realen Bedingungen erprobt. Dabei geht es unter anderem um die Anhebung von Wasserständen, die Entwicklung moorschonender Bewirtschaftungsformen und die Frage, wie sich Klimaschutz, Naturschutz und landwirtschaftliche Wertschöpfung miteinander verbinden lassen.
Möllmer Seewiesen: Wasserrückhalt und neue Nutzung
Die Möllmer Seewiesen wurden lange Zeit entwässert. Im Rahmen des Projektes BLuMo des Landesamtes für Umwelt Brandenburg werden die Wasserstände durch Staumaßnahmen angehoben und der Abfluss gebremst. Hydrologische Untersuchungen zeigen: Rund 400.000 Kubikmeter zusätzliches Wasser werden inzwischen im Gebiet gehalten – das sind etwa 160 olympische Schwimmbecken. Rund 60 Prozent davon werden im angrenzenden Boden gespeichert und tragen zur Grundwasserneubildung bei. Dadurch wird der schnelle Abfluss vermindert und die Austrocknung des Gebiets in Trockenzeiten abgemildert. Mit der Wiedervernässung verändert sich zugleich die landwirtschaftliche Nutzung. Seit Mai 2025 beweiden rund 20 Wasserbüffel die Flächen. Sie kommen mit den nassen Böden gut zurecht, halten die Landschaft offen und schaffen vielfältige Lebensräume.
Klimafarm: Wiedervernässung stabilisiert Wasserstände
Messdaten des Klimafarm-Projekts in der Eider-Treene-Sorge-Niederung in Schleswig-Holstein zeigen, wie Wiedervernässung den Wasserhaushalt von Moorflächen verändert. Seit der Wiedervernässung Anfang 2024 halten verschlossene Gräben, zurückgebaute Drainagen und regulierbare Überläufe Niederschlagswasser länger auf den Flächen. Damit reagieren die Wasserstände auf den wiedervernässten Flächen weniger stark auf einzelne Trockenperioden und schwanken insgesamt weniger stark und sinken meist nicht tiefer als rund 20 Zentimeter ab.
Über die Pilotvorhaben Moorbodenschutz
Die Pilotvorhaben Moorbodenschutz des Bundesumweltministeriums erproben seit 2021 in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Bayern, wie landwirtschaftlich genutzte Moorböden wiedervernässt und anschließend nachhaltig bewirtschaftet werden können. Über zehn Jahre werden dabei Wiedervernässung, Wassermanagement und nasse Bewirtschaftungsformen wie Paludikulturen unter Praxisbedingungen untersucht. Begleitende Forschung betrachtet unter anderem Treibhausgasemissionen und Biodiversität. Ziel ist es, Erfahrungen und Lösungen zu gewinnen, die Klimaschutz, Naturschutz und landwirtschaftliche Nutzung verbinden und als Grundlage für eine breitere Umsetzung dienen können. Die Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH betreut die Pilotvorhaben als Projektträgerin.