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12.08.2026

Klimafarm testet Moorpflanzen als Einstreu für Festival-Toiletten

Im Pilotvorhaben Klimafarm werden neue Nutzungsmöglichkeiten für Moorbiomasse erprobt. Auf dem Festival „Apple Tree Garden“ testete das Vorhaben gemeinsam mit dem Unternehmen Goldeimer Moorpflanzen als Einstreu für Toiletten.

Wer schon einmal auf einem nachhaltigen Festival war, kennt das Prinzip: Beim Gang zur sogenannten Trockentoilette gehört eine Portion Einstreu dazu. Sie bindet Feuchtigkeit und hilft dabei, Gerüche zu mindern und die Hinterlassenschaften anschließend zu kompostieren. Bisher kommt dafür häufig Strohmehl zum Einsatz. Beim Festival „Apple Tree Garden“ im niedersächsischen Diepholz wurde vom 30. Juli bis 1. August 2026 nun etwas anderes getestet: Moorpflanzen aus der Bewirtschaftung wiedervernässter Flächen.

Das vom Bundesumweltministerium geförderte Pilotvorhaben Klimafarm der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein hat gemeinsam mit dem gemeinnützigen Unternehmen Goldeimer den Einsatz von zerkleinerten Moorpflanzen als Einstreu für Trockentoiletten erprobt. Im Mittelpunkt steht dabei unter anderem die Frage, ob das Material für eine ausreichende Belüftung sorgt und zur Erreichung geeigneter Temperaturen bei der Kompostierung beiträgt. Ziel ist ein möglichst geschlossener Kreislauf: Aus den Moorpflanzen und den menschlichen Hinterlassenschaften soll nach der Kompostierung torffreies Erdsubstrat entstehen. Ob das Verfahren dafür geeignet ist und sich langfristig für den Einsatz beispielsweise auf Festivals sowie bei Trockentoiletten im Camping- und Kleingartenbereich nutzen lässt, wird sich im weiteren Verlauf des Tests zeigen.

Die Moorbiomasse stammt aus der Bewirtschaftung wiedervernässter Moorflächen. Das Projekt Klimafarm untersucht mögliche stoffliche Nutzungsmöglichkeiten für den Aufwuchs wiedervernässter Moorflächen und die Voraussetzungen für die Entwicklung tragfähiger Wertschöpfungsketten einer moorbodenerhaltenden Landwirtschaft. Bereits erprobt wurden unter anderem Anwendungen für Bodenschutzmatten, Dachbegrünungsplatten und biogene Kunststoffe. Beim aktuellen Test wird untersucht, ob die Moorpflanzen als Einstreu für Trockentoiletten geeignet sind und die anschließende Kompostierung unterstützen. 

Über die Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz und das Projekt Klimafarm

Die Klimafarm ist eines von vier bundesweiten Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUKN) fördert die Vorhaben von 2021 bis 2031 im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK). Ziel der Pilotvorhaben ist es, tragfähige Modelle für die Wiedervernässung und nasse Bewirtschaftung von Moorböden zu entwickeln. Die Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH betreut die Pilotvorhaben als Projektträgerin.

Im Projekt Klimafarm der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein werden auf rund 400 Hektar Moorgrünland in der Eider-Treene-Sorge-Niederung Verfahren für die moorbodenschonende Bewirtschaftung wiedervernässter Flächen entwickelt und wissenschaftlich vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel begleitet. Neben der landwirtschaftlichen Nutzung stehen die Erprobung und Untersuchung möglicher stofflicher Nutzungen von Moorbiomasse, die Untersuchung von Voraussetzungen für tragfähige Wertschöpfungsketten sowie die Reduzierung von Treibhausgasemissionen im Mittelpunkt des Projekts. Die im Rahmen des Pilotversuchs gewonnenen Erkenntnisse dienen der allgemeinen Untersuchung von Nutzungsmöglichkeiten für Moorbiomasse und sollen für die weitere Entwicklung moorbodenerhaltender Bewirtschaftungs- und Verwertungskonzepte nutzbar gemacht werden.

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