PROMARES – Brasilien Circular Sea Project: building solutions (PROMARES)
Zuwendungsempfangende
TU Braunschweig
Maßnahmen
- Politik- und Governance-Unterstützung: Entwicklung staatlicher Politiken, Beratung zu Gesetzesrevisionen sowie Aufbau von Datenbanken und Analyseverfahren
- Stärkung von Umweltbildung und Kapazitäten: Gestaltung und Umsetzung von Umweltbildungs- und Sensibilisierungsprogrammen sowie Entwicklung kapazitätsbildender Strategien für vulnerable Gruppen
- Verbesserung der Abfallwirtschaft: Unterstützung bei der Erstellung von Abfallwirtschaftsplänen für die Kreislaufwirtschaft, insbesondere für Plastikabfälle
- Förderung inklusiver Marktstrategien: Entwicklung von Strategien zur Beschäftigungsschaffung und besseren Integration vulnerabler Gruppen in wertschöpfende Kreislaufwirtschaftsprozesse.
Laufzeit
01.11.2025 bis 31.10.2028
Verortung
Brasilien
Fördervolumen
6.000.000,00 €
Projektbeteiligte
- Federal University of Pará (UFPA)
- Federal Fluminense University (UFF)
- State University of Bahia (UNEB)
- State University of Maranhão (UEMA)
- Instituto Costa Brasilis – Desenvolvimento Socioambiental
Copyright: GettyImages / Priscila-Zambotto
Reduzierung von Meeresmüll: Was sind die konkreten Herausforderungen in Brasilien?
In Brasilien gelangen jährlich rund 3,44 Mio. Tonnen Plastik unkontrolliert in die Umwelt, was etwa einem Drittel des nationalen Kunststoffaufkommens entspricht. Besonders betroffen sind regionale Hotspots wie die Buchten von Guanabara, Todos Os Santos und Sepetiba sowie große Flusssysteme wie der Amazonas, São Francisco und die Patos-Lagune.
Die Verschmutzung stammt überwiegend aus landbasierten Quellen unzureichende Abfallinfrastruktur, illegale Entsorgung, mangelhafte Sammlung, Abwässer und Mikroplastik tragen maßgeblich zur Verschmutzung bei. Gleichzeitig fehlen belastbare Daten zu Plastikquellen und Abfallströmen, die fundierte politische Entscheidungen ermöglichen.
Es gibt zwar in Brasilien zahlreiche Initiativen zur Bekämpfung von Plastikmüll, doch sie sind räumlich ungleich verteilt und unzureichend miteinander vernetzt. Die komplexe Akteurslandschaft aus staatlichen Institutionen, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft erschwert die Koordination zusätzlich. Bereits bestehende Strategien und Aktionspläne werden häufig nur lückenhaft umgesetzt. Die Folgen treffen insbesondere vulnerable Bevölkerungsgruppen, darunter einkommensschwache Haushalte sowie indigene und quilombola Gemeinschaften, die überproportional von mangelhafter Abfallwirtschaft und Meeresmüll betroffen sind.
Welchen Beitrag leistet das Projekt zur Reduzierung von Meeresmüll?
„PROMARES“ verfolgt einen umfassenden Ansatz zur Reduzierung von Meeresmüll in Brasilien. Ziel ist es, bestehende Maßnahmen zu bündeln, weiterzuentwickeln und durch neue kreislaufwirtschaftliche Lösungen zu ergänzen, um die Abfallwirtschaft langfristig zu stärken.
Ein zentraler Schwerpunkt ist die Überarbeitung und Verbesserung bestehender Abfallwirtschaftspläne. Dazu gehören unter anderem Konzepte zur Schließung illegaler Deponien und zum Aufbau nachhaltiger Entsorgungssysteme. Gleichzeitig unterstützt das Projekt den Aufbau einer zentralen, wissenschaftlich fundierten Datengrundlage zu Plastikquellen, Abfallströmen, Risiken und relevanten Akteur*innen aufzubauen, die zielführende politische Entscheidungen für die Meeresmüllprävention ermöglicht.
„PROMARES“ stärkt zudem den regulatorischen Rahmen, etwa durch die Förderung der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR), steuerliche Anreize und langfristige Verträge, die Kreislaufwirtschaft fördern und rechtliche Lücken schließen. In ausgewählten Regionen im Norden und Nordosten Brasiliens sowie einer Favela in Rio de Janeiro werden kreislaufwirtschaftliche Lösungen getestet, die Kunststoffeinträge in Flüsse und Küsten direkt reduzieren.
Ergänzend entwickelt das Projekt digitale Monitoring‑Tools, die eine bessere Erfassung von Plastikeinträgen und frühzeitige Gegenmaßnahmen ermöglichen. Umweltbildung und Bewusstseinsarbeit in Gemeinden, Schulen und Unternehmen tragen dazu bei, nachhaltiges Verhalten und Müllvermeidung dauerhaft zu verankern. Schulungen, Fernkurse und Qualifizierungsprogramme stärken die Kapazität von Fachkräften, Kommunen und vulnerablen Gruppen.
Darüber hinaus unterstützt „PROMARES“ Start-ups und Recyclingkooperativen und schafft Einkommensmöglichkeiten für die rund 14.600 Beschäftigen von mehr als 1.300 Recyclingunternehmen, die in Brasilien aktuell bereits Plastik sammeln. Durch die Gründung eines Nationalen Instituts für Meeresmüll und Kreislaufwirtschaft wird Wissen gebündelt, um politische Entscheidungsträger*innen zu beraten und für eine langfristige Verankerung der erarbeiteten Konzepte zu sorgen.