ReLiMa: PALOP Inselstaaten in West und Zentralafrika ReLiMa – Redução do Lixo Marinho: Reduzierung und Vermeidung von Meeresmüll in SIDS der PALOP-Staaten
Zuwendungsempfangende
Universität Rostock
Maßnahmen
- Erheben von Daten zu Abfallströmen und Meeresmüll in einer Ausgangsstudie
- Umsetzung von Pilotprojekten, wie zum Beispiel Recyclinganlagen
- Stärkung von Abfallwirtschaftspolitiken und Finanzierungsmechanismen
- Förderung regionaler Zusammenarbeit, Kapazitätsaufbau und grüner Arbeitsplätze
Laufzeit
01.01.2026 bis 31.01.2029
Verortung
Kap Verde, Guinea-Bissau, São Tomé und Príncipe
Fördervolumen
5.855.200,00 €
Projektbeteiligte
- BlackForest Solutions GmbH
- Landbell AG für Rückhol-Systeme (Landbell Group)
- The United Nations Educational
- Scientific and Cultural Organization (UNESCO)
- Associação para a Defesa do Ambiente e Desenvolvimento (A.D.A.D)
- Tiniguena, Esta terra é Nossa
- Oikos Cooperação e Desenvolvimento
Copyright: AdobeStock / Marina Larina
Reduzierung von Meeresmüll: Was sind die konkreten Herausforderungen in Kap Verde, Guinea-Bissau, São Tomé und Príncipe?
Kap Verde, Guinea-Bissau und São Tomé und Príncipe stehen vor erheblichen strukturellen Herausforderungen im Zusammenhang mit Meeresmüll. Hohe Anteile unsachgemäß entsorgter Kunststoffabfälle, begrenzte institutionelle Kapazitäten, unzureichende Abfallinfrastruktur sowie die mangelnde Durchsetzung von Umweltvorschriften erhöhen den Druck auf marine und küstennahe Ökosysteme. Als Insel- und Küstenstaaten sind die drei Länder besonders von den Folgen der Plastikverschmutzung betroffen, da Meeresmüll Fischbestände, Mangroven, Korallenriffe und Seegraswiesen belastet, Gesundheitsrisiken erhöht und lokale Lebensgrundlagen in Fischerei und Tourismus gefährdet.
Kap Verde ist zunehmend mit den Folgen von Meeresmüll konfrontiert. Rund 74 % der Kunststoffabfälle werden unsachgemäß entsorgt, und starker saisonaler Tourismus führt zu einem erhöhten Verbrauch von Einwegplastik und Verpackungen. Trotz einem Verbot von Plastiktüten und einem nationalen Abfallwirtschaftsplan bestehen Herausforderungen bei der Umsetzung.
In Guinea-Bissau werden 83 % der Kunststoffabfälle unsachgemäß entsorgt; derzeit fehlt es an spezifischer Gesetzgebung zu Kunststoffen sowie einer formellen Recyclinginfrastruktur. Zu den zentralen Herausforderungen zählen institutionelle Koordination, fehlende organisierte Abfallsammelsysteme außerhalb der Hauptstadt Bissau sowie fehlendes Umweltmonitoring.
In São Tomé und Príncipe werden schätzungsweise 81 % der Kunststoffabfälle nicht ordnungsgemäß entsorgt; offene Müllablagerungen und unkontrollierte Verbrennung sind insbesondere in Küstengebieten weit verbreitet. Die bestehende nationale Abfallstrategie wird bislang nur eingeschränkt umgesetzt. In allen drei Ländern sind die Auswirkungen der Plastikverschmutzung ungleich verteilt. Frauen, junge Menschen und einkommensschwache Küstengemeinden sind häufig überproportional betroffen, da sie stark von der Fischerei abhängig sind, nur begrenzte wirtschaftliche Perspektiven haben und in Entscheidungs- und Governance-Strukturen der Abfallwirtschaft unterrepräsentiert sind.
Welchen Beitrag leistet das Projekt zur Reduzierung von Meeresmüll?
ReLiMa zielt darauf ab, Kap Verde, Guinea-Bissau und São Tomé und Príncipe dabei zu unterstützen, wirksame und an den lokalen Kontext angepasste Lösungen gegen die Plastikverschmutzung zu entwickeln. Das Projekt verbindet wissenschaftliche Analysen, Pilotmaßnahmen zur Abfallsammlung und Recycling, politische Beratung sowie die Einbindung der Bevölkerung. So werden den Ursachen von Meeresmüll entgegengewirkt, lokale Kapazitäten gestärkt und nachhaltige wirtschaftliche Perspektiven zu schaffen.
In einem ersten Schritt analysiert das Projekt den aktuellen Stand des Kunststoffabfallmanagements in den einzelnen Ländern, einschließlich Abfallströmen, Verschmutzungsschwerpunkten sowie bestehender Governance- und Verwaltungsstrukturen. Darauf aufbauend entwickelt das Projekt an die jeweiligen lokalen Kontexte angepasste Pilotmaßnahmen auf Basis des Satellite Island Recycling Concept (SIRC). Dieser Ansatz verknüpft Sammelpunkte auf kleineren Inseln mit zentralen Recyclingstandorten und verbessert dadurch Sammlung, Trennung und Recycling von Kunststoffabfällen, während zugleich der Eintrag von Plastik in Flüsse und Küstengebiete reduziert wird. Damit setzt das Projekt direkt an einem zentralen Eintragspfad von Plastikmüll in die Meeresumwelt an. Darüber hinaus unterstützt das Projekt die Entwicklung politischer und finanzieller Instrumente zur langfristigen Stärkung der Abfallwirtschaft.
Durch lokal angepasste Sensibilisierungskampagnen, Schulprogramme und Citizen-Science-Initiativen fördert ReLiMa außerdem das Umweltbewusstsein und einen verantwortungsvollen Umgang mit Abfällen. Die Maßnahmen werden in einem dekolonialen Ansatz gestaltet, der indigenes Wissen und lokale Lösungen hervorhebt. Vulnerable Gruppen wie einkommensschwache Haushalte, informell tätige Abfallsammler*innen sowie Gemeinden in belasteten Küstenregionen werden gezielt berücksichtigt und priorisiert. Das Projekt stärkt durch regionale Zusammenarbeit und Süd-Süd-Austausch zirkuläre und resiliente Abfallwirtschaftssysteme zum Schutz der Meere und zur Förderung nachhaltiger Entwicklung.