Elektronische Geräte im Kreislauf Ressourcenreduktion und Digitalisierung für eine zirkuläre Wirtschaft
Zuwendungsempfangende
Germanwatch e.V.
Laufzeit
01.10.2024 bis 31.12.2026
Verortung
EU (Brüssel), Deutschland
Fördervolumen
229.683,24 €
Thema
Nachhaltiges Wirtschaften (inkl. Nachhaltige Finanzierung)
Copyright: Adobe Stock/POV Studio
Hintergrund des Projekts
Lieferengpässe und geopolitische Spannungen verstärken die Sorge um den sicheren Zugang zu wichtigen Rohstoffen. Daher rückt die Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) stärker in den Fokus von Politik und Wirtschaft. Sie gilt als wichtiges Konzept, um Ressourcenunsicherheit, Verlust der biologischen Vielfalt, Klimawandel und die Übernutzung natürlicher Ressourcen zu begrenzen.
Die EU und Deutschland haben mehrere politische Maßnahmen verabschiedet oder überarbeitet. Dazu gehört die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie, der EU Critical Raw Materials Act und die EU-Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte. Die EU plant zudem ein umfassendes Kreislaufwirtschaftsgesetz. Es soll die Nachfrage nach Sekundärrohstoffen erhöhen und den Binnenmarkt für Abfälle stärken. Gleichzeitig stellen immer mehr Unternehmen auf zirkuläre Geschäftsmodelle um.
Damit die Kreislaufwirtschaft wirkt, muss der absolute Ressourcenverbrauch sinken. Die Umsetzung ist jedoch komplex. Es bestehen weiterhin praktische Hindernisse. Manche Maßnahmen können unbeabsichtigte Folgen haben – beispielsweise problematische Verlagerungseffekte für die Umwelt. Diese Risiken müssen besser verstanden und angegangen werden.
Der IKT-Sektor sowie der Elektronik- und Elektrotechniksektor (EE) spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie benötigen häufig kritische Rohstoffe und zeichnen sich durch komplexe Designs aus, die das Recycling oder die Wiederverwendung erschweren. Starke Abhängigkeiten zwischen Hardware und Software können Reparaturen behindern. In vielen Fällen legen Unternehmen keine Informationen über Materialien oder Reparaturverfahren offen, was den Aufbau effektiver Kreislaufsysteme erschwert.
Elektroschrott gehört zu den am schnellsten wachsenden Abfallströmen in der EU. Viele gebrauchte Geräte werden in Drittländer exportiert. Es ist unklar, ob sie dort vollständig wiederverwendet oder recycelt werden. Solche Exporte können lokale Wiederverwendungspraktiken untergraben und die Nachfrage nach Primärrohstoffen in den Importländern erhöhen. Das steht den Zielen der Kreislaufwirtschaft entgegen.
Das Bewusstsein für diese Zusammenhänge und für die Notwendigkeit, den Ressourcenbedarf bei digitalen und elektronischen Produkten zu senken, muss gestärkt werden. Um negative Verlagerungseffekte zu vermeiden – wie etwa eine erhöhte Nachfrage nach Primärrohstoffen im Ausland infolge einer steigenden Nachfrage nach Sekundärrohstoffen in der EU – wird ein besseres Verständnis dieser Auswirkungen sowie praktische Strategien benötigt.
Projektziele und -maßnahmen
Das Projekt konzentriert sich auf den IKT- und den EE-Sektor. Es unterstützt Akteur*innen in Deutschland und der EU dabei, zentrale Hindernisse der Kreislaufwirtschaft zu überwinden und negative Effekte zu verringern.
Digitale Produktpässe bieten großes Potenzial. Sie können dazu beitragen, Informationslücken entlang der Wertschöpfungsketten zu schließen. Damit sie wirken, müssen Gestaltung, Datenzugang und Nutzerfreundlichkeit stimmen. Das Projekt entwickelt Empfehlungen für wirksame DPP. Dafür führt es Gespräche mit kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), Forschenden und der Zivilgesellschaft. Zudem identifiziert es Strukturen, die eine erfolgreiche Umsetzung erleichtern.
Rechte an geistigem Eigentum (Intellectual Property Rights) schaffen weitere Hürden. Sie verhindern häufig, dass Unternehmen Produkte reparieren, wiederaufbereiten oder neu fertigen. Dadurch bleibt das Wachstum zirkulärer Geschäftsmodelle begrenzt. Trotz einiger gesetzlicher Ausnahmen bestehen viele Herausforderungen weiter. Das Projekt arbeitet mit Unternehmen, Forschungseinrichtungen und der Zivilgesellschaft zusammen, um die wichtigsten Hindernisse im Bereich geistiger Eigentumsrechte zu identifizieren und praktische Lösungsansätze zu entwickeln.
Maßnahmen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft können ebenfalls unbeabsichtigte negative Effekt haben. Das Projekt untersucht Wege, um solche Effekte zu vermeiden. Eine Option ist ein weltweit erweitertes System der Herstellerverantwortung. Es könnte Unternehmen stärker für den gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte auf internationalen Märkten in die Pflicht nehmen.
Das Projekt sammelt Erkenntnisse durch Forschung, Dialoge mit Interessengruppen, Interviews und Workshops. Daraus entstehen Empfehlungen, die es an Akteur*innen in Deutschland und der EU weitergibt, um Strategien der Kreislaufwirtschaft zu verbessern.
Besondere Aufmerksamkeit gilt mittleren, kleinen und Kleinstunternehmen. Sie spielen eine wesentliche Rolle bei lokalen Reparatur-, Wiederverwendungs- und Sharing-Dienstleistungen, haben aber oft nicht über die notwendigen Ressourcen, um zu skalieren. Durch ihre Einbindung – zusammen mit der Zivilgesellschaft – möchte das Projekt eine integrativere und praktischere Kreislaufwirtschaft fördern und so die Chancen für eine erfolgreiche Umsetzung erhöhen.