Umweltschutz beginnt zu Hause: KI macht Entsorgung leichter
Copyright: Max Ehleben / ZUG gGmbH
Joghurtbecher, kaputte Handys oder Toaster: Was in welche Abfalltonne gehört, ist oft nicht einfach zu entscheiden. Wir sprachen mit Prof. Dr. Max Ehleben, wie KI bei der täglichen Mülltrennung helfen kann und somit Wertstoffkreisläufe erhält.
Herr Prof. Dr. Ehleben, was hat Sie zu dem Projekt motiviert?
Im Alltag gehen viele Wertstoffe verloren, weil falsch entsorgt wird. Gleichzeitig sind die Entsorgungsregeln kompliziert und je nach Region unterschiedlich. Das sorgt für Unsicherheit – selbst bei Menschen, die eigentlich alles richtig machen wollen. Daher wollten wir mit WERTIS-KI eine einfache, digitale Unterstützung schaffen, die direkt im Alltag hilft. Mit KI-gestützten Lösungen geben wir eine klare Orientierung.
Was war das Ziel dieses Leuchtturmprojektes?
Unser Ziel war es, das Bewusstsein für eine korrekte Abfallverwertung nachhaltig zu stärken richtiges Entsorgen einfacher zu machen. Dafür haben wir einen KI-gestützten Ratgeber entwickelt, der Haushalte bei konkreten Entsorgungsentscheidungen unterstützt. Gleichzeitig wollten wir Anreize für Reparatur, Wiederverwendung und hochwertiges Recycling schaffen. So trägt WERTIS-KI dazu bei, Abfälle zu vermeiden, Stoffkreisläufe zu schließen und KI gezielt für eine nachhaltige Transformation einzusetzen.
Welche Ergebnisse konnten Sie erreichen?
Herzstück des Projekts ist ein neu entwickeltes Klassifikationssystem für Haushaltsgegenstände. Darauf aufbauend entstand ein Datensatz mit über 5.000 Einträgen, der Bilder mit Produktinformationen wie Name, Hersteller oder Barcode verknüpft und den jeweils passenden Entsorgungsweg, angepasst an regionale Vorgaben, zuordnet. Diese Daten flossen in zwei Apps: eine zur Datenerfassung und die WERTIS-App für Nutzer*innen. Ergänzend haben wir ein Netzwerk aus Stakeholdern, potenziellen Nutzer*innen und Anbieter*innen aufgebaut und durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit das Bewusstsein für korrektes Entsorgen und Recyclen gestärkt.
Gab es im Projekt Herausforderungen und konnten Sie dafür Lösungen finden?
Externe Datensätze waren für unsere Zwecke u.a. wegen unzureichender Qualität kaum nutzbar. Deshalb haben wir eine eigene Datenbank aufgebaut – aufwendig, aber zuverlässig. Eine weitere Herausforderung war die große Vielfalt und Komplexität von Haushaltsgegenständen. Diese haben wir mit einem hierarchischen Klassifikationsmodell von groben bis feinen Unterscheidungen abgebildet. Regionale Unterschiede berücksichtigt die landkreisspezifisch funktionierende App automatisch. Ein integrierter Chatbot unterstützt und ergänzt die Bilderkennung, etwa wenn es um den Zustand eines Geräts geht. So entstand Schritt für Schritt eine praxistaugliche Lösung.
Welchen Impact haben die Projektergebnisse für den Umwelt- Natur- oder Klimaschutz?
WERTIS-KI wirkt vor allem durch Information und Vernetzung relevanter Akteure aus Umweltbildung, Entsorgungswirtschaft und Zivilgesellschaft. Wir haben Wissen zu Kreislaufwirtschaft und richtiger Entsorgung leicht zugänglich macht: Zum Beispiel mit unserer Müllmythen-Videoreihe, die über verbreitete Irrtümer verständlich aufklärt. Ergänzt durch die Projektwebsite und einen Instagram-Kanal konnten wir das Bewusstsein für Fehlwürfe stärken über geeignete Entsorgungswege informieren. Der entstandene Datensatz bietet zudem eine wertvolle Grundlage für weitere Forschungs- und Entwicklungsprojekte.
Sind die Ergebnisse des Projektes nachnutzbar oder können in anderen Bereichen eingesetzt werden?
Ja. Die entwickelten Datenstrukturen, Apps und das Klassifikationsschema sind grundsätzlich übertragbar und bieten Potenzial für weitere Entsorgungskontexte. Eine Open-Data-Bereitstellung wird aktuell geprüft, da die Datenerhebung sehr ressourcenintensiv war. Geplant ist, die Ergebnisse in einem Folgeprojekt weiterzuverwenden. Dafür hat die Ostfalia Hochschule gemeinsam mit der TU Clausthal-Zellerfeld und der TU Braunschweig einen EFRE-Antrag gestellt. Die Weiterentwicklung soll bis hin zu einem App-Demonstrator erfolgen. Damit schafft WERTIS-KI eine solide Basis für weitere nutzerorientierte Anwendungen und für Transferprojekte rund um Abfallvermeidung und Ressourcenschonung.