Nachgefragt … bei Prof. Ribana Roscher

Frau Prof. Roscher, Ihr Vorhaben „KI Strategie für Erdsystemdaten“ ist eines von insgesamt 28 ausgewählten KI-Leuchtturmprojekten. Welches Signal wollen Sie mit ihrem Projekt senden?

Mit unserem Projekt wollen wir Brücken bauen zwischen der KI-Forschung und den Umwelt- und Erdsystemwissenschaften. Das ist wichtig, weil in diesen Disziplinen momentan moderne Methoden der KI noch nicht systematisch zum Einsatz kommen. Wir senden das Signal, dass eine enge Zusammenarbeit möglich und vor allem erfolgversprechend ist – also den Umwelt- und Klimaschutz voranbringt.

Wie wollen Sie das erreichen?

Unsere Strategie ist es, die Entwicklung von KI-Methoden mit einem starken Ausbildungs- und Netzwerkkonzept zu kombinieren. Im Zentrum stehen dabei der Wissensaustausch über die Disziplinen hinweg und der Transfer nach außen. Dabei ist es wichtig, sowohl die Chancen als auch die Herausforderungen zu thematisieren, die mit KI-Anwendungen für den Umweltschutz verbunden sind.

Die Chancen für den Umweltschutz liegen auf der Hand: KI hilft uns, kontinuierliche, objektive und großflächige Statistiken über die Erde zu erstellen. Dazu gehören zum Beispiel die Entwicklung der Luftqualität oder die Abschätzung, wie gesund unsere landwirtschaftlichen Flächen sind. Mit solchen Erkenntnissen können Maßnahmen für den Umwelt- und Klimaschutz viel besser und viel passgenauer geplant werden. Für den Landwirt heißt das beispielsweise: Er kann den Einsatz von Dünger verringern und die Aussaat verschiedener Sorten besser planen, weil ihm genaue Daten über seinen Acker vorliegen.

Sie sind Expertin für Geoinformatik und haben sich bereits intensiv mit maschinellem Lernen und der Analyse von Daten beschäftigt. Wie kamen Sie dazu, KI und Umwelt zu verbinden, und was treibt Sie an?

Zur KI kam ich aus einen ganz einfachen Grund: Ich habe Geodäsie und Geoinformation in Bonn studiert und hatte einen tollen Professor, der Visionär auf seinem Gebiet war – und uns Studierende dafür begeistern konnte. Er wurde später auch mein Doktorvater, und dafür bin ich sehr dankbar.

Heute ist es meine Motivation, Künstliche Intelligenz da einzusetzen, wo sie aus gesellschaftlicher Sicht dringend gebraucht wird und eine große Wirkung erzielen kann. Dazu gehören für mich die von den Vereinten Nationen identifizierten langfristigen Ziele der nachhaltigen Entwicklung, die sich auch mit den Auswirkungen des Klimawandels befassen. Wir sind – als Gesellschaft – in der glücklichen Lage, dass uns mittlerweile viele Umweltdaten zur Verfügung stehen. Deren Auswertung könnte uns helfen, die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Außerdem ist es mir wichtig, mit meiner Arbeit dazu beitragen, dass Projekte wie die KI-Leuchttürme eine Vorbildrolle für zukünftige Projekte spielen – und dass interdisziplinäre Forschung mehr in den Mittelpunkt rückt!

Künstliche Intelligenz und Umweltschutz finden gerade erst zusammen: Welche Weichen müssen Ihrer Meinung nach noch gestellt werden, damit KI zum echten Chancentreiber für Klima- und Umweltschutz wird?

Zunächst müssen die Chancen und Risiken von KI besser erklärt werden, zum Beispiel über eine öffentlichkeitswirksame Kommunikation von Umweltanwendungen. So können Vorbehalte in der Öffentlichkeit gegen KI abgebaut werden, und die Erwartungen von außen an KI werden realistischer.

Besonders wichtig ist aus meiner Sicht die Weichenstellung für die interdisziplinäre Zusammenarbeit, denn die ist die Grundlage für die erfolgreiche Anwendung von KI. Ansatzpunkte reichen hier von der Schule über die Ausbildung von Umwelt-KI-Fachleuten bis zur gezielten Forschungsförderung.

KI darf zukünftig nicht mehr entkoppelt von der Anwendung betrachtet werden, sondern als Wegbereiter für Lösungen im Umwelt- und Klimaschutz.


Zum Projekt

KI Strategie für Erdsystemdaten (KISTE)

Eine KI Strategie für Erdsystemdaten, um Umweltveränderungen zu analysieren, aufzubereiten und bereitzustellen.