KInsekt

Die Ausgangssituation: Was ist die ökologische Herausforderung?

In Deutschland erleben wir einen dramatischen Verlust von Insekten: Einen Rückgang gibt es nicht nur bei der Gesamtmenge an Insekten, auch die Zahl der 33.000 Insektenarten, die es hierzulande gibt, nimmt immer mehr ab. Die Ursachen sind vielfältig: Intensive Landwirtschaft, Pestizideinsatz, Lichtverschmutzung, aber auch der neue Trend zu Steingärten tragen dazu bei, dass der Bestand kontinuierlich weiter sinkt. Dabei sind Insekten ein wichtiger Faktor im Ökosystem: Sie bilden die Nahrungsgrundlage für zahlreiche Tierarten, bspw. für Vögel und Fledermäuse und bestäuben einen Großteil unserer Wild- und Nutzpflanzen. Damit tragen sie auch zu unserer Ernährungssicherheit bei.

Um Insekten zu schützen, ist ein systematisches Monitoring über einen langen Zeitraum notwendig. Dies wird bislang auf unterschiedliche und teils sehr aufwändige Weise gemacht: Beispielsweise mit Hilfe von Insektenfallen, in denen Insekten gesammelt, konserviert und später einzeln bestimmt werden.

Die Idee: Welchen Beitrag kann KI konkret leisten?

Das Open-Source-Projekt KInsekt möchte das Monitoring digitalisieren und mithilfe von KI in großem Umfang nutzbar machen. Dazu werden zunächst Insektenfallen entworfen und erprobt, die mit verschiedenen Sensoren ausgestattet sind. Aufbauend auf diesen Multisensordaten wird ein KI-Verfahren entwickelt, das die Tiere erkennen und klassifizieren soll. Kernelement ist ein Low-Cost-Gerät, das allen Interessierten zum Selbstbau bereitgestellt werden wird. So können interessierte Bürgerinnen und Bürger in ganz Deutschland eigene Fragestellungen zum Insektenbestand entwickeln, ihre Daten auf einer Webplattform hochladen und über die Ergebnisse miteinander diskutieren. Die Plattform soll die orts- und zeitaufgelösten Monitoringdaten visualisieren, Vegetationsdaten mit einbeziehen und ebenso für die akademische Forschung nutzbar sein. In Workshops kann das Gerät gemeinsam zusammengebaut werden – um so einen praktischen Einblick ins Thema Künstliche Intelligenz und Biodiversität zu bekommen.

Der Ausblick: Welchen Leuchtturmcharakter hat das Projekt?

Der Low-Cost-Insektenzähler soll deutschlandweit eingesetzt werden, wertvolle Daten generieren und die Forschung zur digitalisierten Insektenbestimmung vorantreiben. Durch den Citizen-Science-Ansatz werden nicht nur umfangreiche Daten gesammelt, sondern die Themen KI und Biodiversität in einer breiteren Öffentlichkeit verankert. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Umweltbildung. Menschen können praktisch erleben, in welchen Lebensräumen Insekten vorkommen und lernen dabei, wie sie die Tiere schützen können. Bereits laufende Projekte zum Insektenmonitoring können von den hier entwickelten Werkzeugen und bereitgestellten Daten in Zukunft profitieren.