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Die Ausgangssituation: Was ist die ökologische Herausforderung?

In Deutschland wird jedes fünfte Kleidungsstück so gut wie nie getragen und etwa eine Milliarde Kleidungsstücke nicht länger als drei Monate. Statt diese Kleidung nach der Nutzung weiter zu verwenden, ob als Secondhand-Ware oder als Sekundärrohstoff für Recyclingfasern, wird sie häufig beseitigt. Dies geht mit einem enormen Ressourcenverbrauch einher: So emittiert die globale Textilproduktion mit 1,2 Milliarden Tonnen CO2 eq. pro Jahr mehr als die internationale Luft- und Schifffahrt zusammen. Zudem belastet der weitverbreitete Einsatz von Chemikalien das Ökosystem und das Grundwasser.

Die Idee: Welchen Beitrag kann KI konkret leisten?

Das Start-up circular.fashion forscht gemeinsam mit der TU und der FU Berlin an einer Alttextil-Sortierung, die automatisiert und auf nachhaltige Wirkung optimiert  ist. Ziel ist es durch KI-unterstützte Spektroskopie und Bildanalyse eine spezifischere Sortierung für die Secondhand-Nutzung und das Faser-zu-Faser Recycling zu ermöglichen. So soll ein durchgängiger Stoffkreislauf geschaffen werden. Die unbekannte stoffliche Zusammensetzung von Textilien verhindert bisher das Faser-zu-Faser Recycling, das es erlaubt, Garn in gleicher Qualität zurückzugewinnen. Dies ist einer der zentralen Gründe für die niedrige Quote des Faser-zu-Faser Recyclings (ca. 1 Prozent) von Textilien.

Die TU Berlin entwickelt die spektroskopischen Verfahren, welche eine genaue Bestimmung der Materialzusammensetzung und Schadstoffbelastung ermöglichen sollen. Zusammen mit der FU Berlin soll eine KI-basierte Auswertung entstehen, die die bisherigen Hürden in der Sortiertechnik überwindet.
Parallel sollen mit Methoden der Bildanalytik Kleidungsstücke erkannt werden, um sie zielgruppengenauer für Secondhand-Märkte nutzbar zu machen. Hiermit sollen die Verkaufschancen der Secondhand-Verwertung erhöht und damit eine Verlängerung der Tragedauer von Kleidungsstücken ermöglicht werden. circular.fashion wird die Entwicklung koordinieren sowie Expertise und Partnernetzwerke einbringen. So soll gemeinsam eine Lösung eng an den Bedürfnissen der Sortierbetriebe entwickelt werden, die wirkungsvoll eingesetzt werden kann.

Der Ausblick: Welchen Leuchtturmcharakter hat das Projekt?

Das Projekt wird die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz für eine nachhaltige Ressourcenverwendung in einem der größten Industriezweige der Welt aufzeigen. Die enormen Materialströme der Textilindustrie zukünftig in einem Kreislauf zu führen und nicht länger zu entsorgen, hat das Potential, große Mengen an Treibhausgasen und Umweltschadstoffen zu vermeiden.