TouMaLi – Weniger Meeresmüll durch Tourismus in Nordafrika

Schnelle Fakten

  • Projekt: Beitrag der nachhaltigen Abfallwirtschaft im Tourismus zum Schutz der Meeresökosysteme - TouMaLi
  • Zuwendungsempfänger: Universität Rostock, Abteilung Abfall- und Ressourcenmanagement
  • Verortung: Tunesien, Marokko, Ägypten, Algerien
  • Laufzeit: 01.05.2021-30.04.2024
  • Maßnahmen: Implementierung von nachhaltigen Abfallmanagement-Systemen in Tourismusregionen Nordafrikas; Entwicklung eines Bewertungsschemas für Meeresmüllverschmutzung basierend auf Strandmüll-Monitoring; Nutzung der Materialströme nach der 3R-Regel (Reduce, Reuse, Recycle) auf lokaler Ebene
  • Fördervolumen: 4.232.000 Euro

Reduzierung von Meeresmüll: Was sind die konkreten Herausforderungen in Bangladesh?

Bangladesch verfügt über eine reiche Biodiversität: Der Staat mit seinen 164 Millionen Einwohner*innen liegt am Golf von Bengalen und ist von Bächen, Kanälen, Feuchtgebieten und ständig wechselnden Flussläufen im Ganges-Delta – dem größten Flussdelta der Welt – sowie im Brahmaputra-Meghna-Delta durchzogen. Die Sundarbans beherbergen als UNESCO-Welterbe den größten zusammenhängenden Mangrovenwald.

Kunststoffeinträge gefährden diese einzigartige Artenvielfalt. Obwohl Bangladeschs Plastikabfallaufkommen hinter dem anderer Länder zurückliegt, ist der Anteil seiner Meeresmülleinträge hoch: Mit einem Meeresmüllaufkommen von jährlich 120.000 bis 310.000 Tonnen liegt Bangladesch im weltweiten Ranking der marinen Plastikverschmutzung auf dem zehnten Platz.

Bangladesch ist zugleich eines der einkommensschwächsten Länder der Welt. 47 Prozent der Bevölkerung leben in Slums, insgesamt ca. 70,9 Millionen Menschen (44 Prozent) im unmittelbaren Küstenbereich. Formale Abfallsammelsysteme und Recycling-Strukturen bestehen kaum; Abfallentsorgung am Straßenrand, über offene städtische Kanäle, ungesicherte Deponien und in der Natur stellen für den größten Teil der Bevölkerung die alltägliche Praxis dar.

Auch die SCIP-Projektregion Khulna steht diesen Herausforderungen gegenüber. Als größtes städtisches Gebiet des Delta-Gebiets weist Khulna, wie andere Regionen in Bangladesch auch, eklatante Mängel in der abfallwirtschaftlichen Struktur auf: So werden in Khulna beispielsweise nur etwa 25 Prozent der anfallenden Siedlungsabfälle erfasst. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, verfolgt SCIP einen systemischen Ansatz und entwickelt nachhaltige Lösungen.


Welchen Beitrag leistet das Projekt zur Reduzierung von Meeresmüll?

Mit TouMaLi (Prevention of Tourism Marine Litter) soll der Plastikabfallanteil aus dem Tourismus reduziert und unvermeidbare Abfälle recycelt und wiederverwendet werden.

Dafür soll zunächst eine allgemeine Bewertung der Verschmutzung durch Meeresmüll an ausgewählten Stränden durchgeführt werden. Auch die Entsorgung fester Abfälle und konkrete Maßnahmen zur Reduzierung dieser Abfälle soll die Grundlage für das weitere Vorgehen sein.

Im Mittelpunkt von TouMali steht die Arbeit mit den verschiedenen Zielgruppen aus Politik, dem öffentlichen und privaten Sektor (Umweltbehörden und Tourismusindustrie) sowie der Bevölkerung in den Beispielregionen. Effektive Lösungen können hierbei nur entstehen, wenn die verschiedenen Interessenslagen und Verantwortlichkeiten gegenseitig aufgezeigt und verstanden werden. Unter intensiver Einbeziehung der Akteure werden daher in einem nächsten Schritt die rechtlichen, organisatorischen, finanziellen und technischen Lösungen analysiert, ihre Umsetzung vorangebracht und überwacht. Mit den gemeinsamen Vermeidungsmaßnahmen soll die Strandmüllmenge in den Beispielregionen um 80 Prozent reduziert werden.

Die Umsetzungspartner aus Europa und Nordafrika stellen gemeinsam - und unterstützt von den verantwortlichen Ministerien und Forschungsinstituten vor Ort - den Kapazitätsaufbau bereit und fördern mit regelmäßigen Angeboten die Bewusstseinsbildung für Plastikabfälle aus dem Tourismus. So soll die lokale Bevölkerung nach Ende des Projekts in der Lage sein, ein langfristiges Monitoring der Wirksamkeit von Maßnahmen selbst durchzuführen. Hotels, Gemeinden und andere Partner können nach erfolgreicher Umsetzung von Maßnahmen die Blaue Flagge (Umweltzeichen für nachhaltigen Tourismus) als Zeichen für hohe Qualitätsstandards beim Abfallmanagement in den Küstenregionen erhalten. Außerdem ist ein Mechanismus für eine „Erweiterte Produzentenhaftung“ (EPH) gemeinsam mit Verwaltung, Unternehmen und Abfallmanagern im Aufbau.

Die gefundenen Ergebnisse sollen mit benachbarten Gemeinden und Regionen ausgetauscht werden, um eine weitreichende Wirkung des Projekts zu erzielen. Aktivitäten werden auf überregionalen Workshops diskutiert und Ansätze in der Umsetzung gemeinsam beschlossen. Trainings für lokale Akteure zu Strandmonitoring und Abfallmanagement unterstützen den Prozess der Wissensvermittlung und die Bereitschaft, Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen umzusetzen.